Prim. bil.Zirrhose (PBC)

Was ist eigentlich PBC??? Bei der primär biliären Zirrhose kurz (PBC) handelt es sich um eine chronische, fortschreitende Lebererkrankung die zunächst herdförmig auftritt, dh. nur in bestimmten Leberregionen und allmählich die ganze Leber befällt.

Sie beginnt an den kleinen Gallengängen die entzündlich zerstört werden. Das führt zum Rückstau der in der Leberzellen gebildeten Gallenflüssigkeit. Den Namen primär biliäre Zirrhose hat die Krankheit nur deshalb erhalten, weil sie früher immer erst im Endstadium, also als Zirrhose entdeckt wurde.

Heute ist eine Frühdiagnose möglich. Trotzdem hat man den alten Begriff "primär biliäre Zirrhose" beibehalten, da er sich in seiner gewohnten Form schon eingebürgert hat. Da bei der PBC im Blut bzw. im Serum auch bestimmte immunologische Reaktionen anzeigende Eiweißkörper (Immunmarker) und im Lebergewebe entsprechend charakteristische Zellen auftreten (s.u.), spricht man auch von einer Autoimmunkrankheit, also einer Krankheit, bei der körpereigene Zellen die eigene Leber angreifen.

Häufigkeit:

Die primär biliäre Zirrhose befällt in 90% der Fälle Frauen. Kinder sind sehr selten befallen. Sie ist wesentlich häufiger, als noch vor einigen Jahren vermutet. Die Lebenserwartung einer unbehandelten PBC beträgt im Durchschnitt 12 Jahre. Durch die heute zur Verfügung stehende medikamentöse Therapie kann der Krankheitsverlauf eindeutig verlängert und durch eine eventuell erforderliche Lebertransplantation kann ein großer Teil der Patienten geheilt werden.


Stadium I:

In diesem Stadium sind die entzündlichen Veränderungen auf die Gallengänge und das sie umgebende Bindegewebe beschränkt (nicht eitrige Gallengangszerstörung), wobei es sich bei den Entzündugnszellen um so genannte immunkompetente Zellen handelt, die - wie zuvor schon erwähnt - die eigene Leber angreifen. Solche Zellen findet man auch bei anderen Immunkrankheiten der Leber.

Stadium II:

Mikroskopisch sieht man jetzt vermehr Gallengänge (Gallengangsproliferation). Die entzündlichen Veränderungen im umgebenden Bindegewebe sind dicht und können auch auf das benachbarte Lebergewebe übergreifen.

Stadium III:

Mehr und mehr Gallengänge sind jetzt zerstört (Verarmung an Gallengängen, Gallengangsrarifizierung). Das angrenzende Lebergewebe ist zunehmend entzündlich verändert und als Ausdruck der beginnenden Zirrhose tritt vermehrt Bindegewebe auf.

Stadium IV:

Das Bindegwebe hat weiter stark zugenommen und zerteilt das Lebergewebe in verschieden große Bezirke. Da das Lebergewebe regenerationsfreudig ist, entwickeln sich unterschiedlich große Regeratknoten. Dadurch wird die Leberoberfläche höckrig. Die Zahl der Gallengänge hat weiter stark zugenommen und die Entzündungszellen im umgebenen Bindegewebe werden weniger. Jetzt liegt das Vollbild einer Leberzirrhose (PBC) vor.


Woran erkannt man die primär biliäre Zirrhose?!

Als erstes symptomatisches Zeichen einer PBC kann ein geringer, mittelstarker oder auch ausgeprägter Juckreiz (Pruritus) auftreten, der sich überwiegend nachts bemerkbar macht. Befallen sind oft die Arme, der Rücken und die Unteschenkel. Auch deutliche Müdigkeit und/oder ein Leistungsknick können erste Anezichen der Krankheit sein.

Selten zu Beginn, können sich gelblich-graue unter der Haut gelegene Fettablagerungen in der Nasenregion der Augenlider entwickeln.

Diagnostik:

Die körperliche Untersuchung durch den Arzt lässt in den Frühstadien meist keinerlei Veränderungen erkennen. Eine Gelbfärbung der Augen (Sklerenikterus: Erhörung des Serumbilirubins) oder der Haut findet sich nciht und die Leber ist nicht vergrößert ertastbar. Die Ultraschalluntersuchung ergibt einen Normalbefund oder ein Bild, das auch einer Fettleber entsprechen könnte. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Leber vergrößert sein, noch später finden sich die Zeichen der Zirrhose. Im Ultraschallbild ist die Leberoberfläche dann gewellt oder höckig, die Leber schrumpft, ihre Größe nimmt allmählich ab.

Typisch sind dann aber die Ergebnisse der Blutuntersuchungen: Bei fast 100% der Patienten sind die so genannten antimitochondrialen antikörper (AMA) im Blutserum erhöht. Weiterhin sind im Blut solche Entzyme erhöht, die auf entzündliche Veränderungen an den Gallenwegen und auf einen Gallestau hinweisen. Diese sind: die alkalische Phosphatase (AP) und die y-Glutamyltranspeptidase (GGT oder y-GT). Bei bestimmtne Eiweißverbindungen steigt charakteristischerweise das Immunglobulin M (lgM) an. Zeigen sich im Blut diese Parameter erhöht und ergibt eine weitere Kontrolluntersuchung abermals das Vorhandensein von AMA's, so kann die Diagnose der PBC als gesichert angesehen werden, selbst wenn keinerlei Symptome bestehen.

In den fortgeschrittenen Statien der Krankheit (Stadium III, IV) ändern sihc die Laborparameter kaum in ihrer Höhe. Die Laborwerte sagen also nur wenig über das Stadium der Krankheit aus. In den Spätstadien lässt die Leberleistung allmählich nach, was sich im Abfall der Eiweißkonzenration (Albumin) im Blut und der Blutgerinnungsfaktoren audrückt. Das Bilirubin (Gallenfarbstoff) steigt dagegen im Blut an und es entwickelt sich eine Gelbsucht.

Gewebeentnahme aus der Leber (Leberbiopsie):

Wegen einer lebenslänglichen medikamentösen Therapie und einer eventuell notwendig werdenden Lebertransplantation  ist die mikroskopische Untermauerung der Diagnose aber sehr wünschenswert. Zwischen zwei Rippen der rechten Brustwand wird nach einer örtlichen Betäubung eine Hohlnadel zur Leber vorgeführt und mit einem schnellen Einstich eine Gewebsprobe entnommen. Leberveränderungen werden  mit der Feinnadel unter Ultraschallkontrolle ein- oder mehrmals punktiert. Im weiteren Verlauf der Krankheit sind weiterer Gewebeentnahmen nicht mehr nötig, es sei denn, es wird der Verdacht auf ein Leberzellkarzinom geäußert.

Nach der Punktion:

Am Untersuchungstag sollte weitgehend Bettruhe eingehalten werden. In den ersten zwei Stunden nach der Punktion  auf der rechten Seite liegen, damit sich die Einstichstelle verschließt. Danach weite 4 Stunden Bettruhe.

Wie verläuft die PBC?!

In den Frühstadien verläuft die Krankheit meist ohen typische Beschwerden. Der bei manchen Patienten auftretende charakteristische Juckreiz kann schon lange vor der entgültigen Diagnose der PBC im Frühstadium, aber auch erst in den Endstadien auftreten. Entwickelt sich die primär biliäre Zirrhose von der Früh- in die Spätstadien, so treten die klassischen Zeichen der Leberzirrhose auf. An der Haut erscheinen so genannte Lebersternchen (Spider naevi), das Lippen- und Zungenrot wird deutlicher erkennbar (Lacklippen) und auch die Haut erscheint dünner, was sich besondersi m Gesicht und an der Stirn bemerkbar macht (Geldscheinhaut).

Behandlung der PBC??

Die Basisbehandlung der primär biliären Zirrhose (PBC) besteht in der Verabreichung von Ursodeoxycholsäure (® Ursofalk) und zwar in einer Dosis von 15-20 mg/kg Körpergewicht pro Tag. Unter Ursofalk kommt es zum Abfall der den Gallenstau anzeigenden Enzyme AP und GGT sowie der Entzündungsparameter GOT und GPT. Auch das Bilirubin im Serum geht deutlich zurück. Viele Patienten fühlen sich durch dieses Medikament deutlich besser. Die Behandlung darf nicht unterbrochen werden. Therapieunterbrechung führt zu einem Wiederanstieg (Verschlechterung) der Laborwerte. Neueste Untersuchungen haben gezeigt, dass für manche Patienten die KOmbination von UDC mit einem Cortison-Präperat oder auch zunächst mit dem immunsuppressiven Medikament Azathioprin, eine bessere Wirkung hat als UDC alleine.